Lantagsfraktion Mecklenburg Vorpommern
19. November 2015

Koalition beschließt Stärkung des Deutschunterrichtes an Grundschulen

Koalition beschließt Stärkung des Deutschunterrichtes an Grundschulen
Wer seine Muttersprache nur mangelhaft beherrscht, wird später auch mit Fremdsprachen Probleme haben. Getreu diesem Motto hat die Koalition heute eine Stärkung des Deutschunterrichtes für Grundschüler beschlossen. Die Opposition stört sich besonders an der geplanten Streichung einer Englischstunde, doch die aktuelle Umfrage unter 2084 Grundschullehrern spricht eine deutliche Sprache ...

Mit ihrem Antrag „Sprachkenntnisse sind der Schlüssel für den Bildungserfolg – Deutschunterricht an Grundschulen stärken“ (Drs. 6/4652) haben die Koalitionsfraktionen heute mehrere Änderungen im Grundschulbereich beschlossen: die Erstellung eines Elternratgebers zur Einschulung für jedes Fach im Grundschulbereich, die Wiedereinführung eines verbindlichen Grundwortschatzes, die Stärkung des Deutschunterrichts durch eine zusätzliche Deutschstunde, die Überarbeitung der Rahmenlehrpläne in der Grundschule sowie die stärkere Verzahnung untereinander und verbindliche inhaltliche Vorgaben. Daneben sollte ein Prüfauftrag an die Landesregierung gehen, ob in den Klassen 3 und 4 jeweils eine weitere Deutschstunde unter Reduzierung des Englisch-Unterrichts sinnvoll ist.

Torsten Renz (CDU) sagte, dass das sichere Beherrschen der deutschen Sprache für den Lernerfolg in der Schule von entscheidender Bedeutung sei. Vergleichsarbeiten im Fach Deutsch hätten ergeben, dass nicht alle Grundschüler in Mecklenburg-Vorpommern über das Mindestmaß an orthographischer Kompetenz verfügen, das für den Besuch einer weiterführenden Schule notwendig sei. Der Antrag sei deshalb ein erster richtiger Schritt, den Deutschunterricht zu stärken. Da Schülerinnen und Schülern in Mecklenburg-Vorpommern im Laufe ihrer Schulzeit an den Grundschulen mit jeweils 94 Schulstunden im direkten Vergleich mit Bayern oder Baden-Württemberg 4 bis 10 Stunden weniger zur Verfügung ständen, könne der Antrag auch die öffentliche Diskussion darüber anstoßen, ob die Stundentafel insgesamt erhöht werden müsse. Zur Kürzung der Englischstunden sagte Renz, dass Englisch in Klasse 3 und 4 bundesweit ohnehin die Ausnahme sei und dafür ursprünglich Sachkunde gekürzt worden sei. Insofern habe man den Prüfantrag an den Bildungsminister gegeben, dessen Prüfung bereits die Sinnhaftigkeit der Kürzung von Englischstunden bestätigt habe.

Genau das bestätigte Bildungsminister Mathias Brodkorb. In Mecklenburg-Vorpommern hätten sich in einer Umfrage von November 2015 96 % der 2084 teilnehmenden Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer zum einen für mehr Deutschunterricht der Schüler ausgesprochen, 80 % hätten zugestimmt dies zu Lasten des Englischunterrichtes tun zu wollen. Bei den Grundschullehrkräften mit der Lehrbefähigung Englisch sei es noch die Hälfte gewesen, die dem zugestimmt hätten. Das Votum der Grundschullehrer sei damit eindeutig. Die Rechtschreibleistungen der Grundschüler lägen zwar über dem Bundesdurchschnitt, aber zahlreiche Lehrkräfte an Grundschulen seinen der Auffassung, dass die Rechtschreibkompetenzen geringer als noch zu DDR-Zeiten seien. 94 Prozent der Grundschullehrer sprachen sich zudem für die Wiedereinführung eines Grundwortschatzes aus. Dieser wurde nach der Wende abgeschafft - in Ländern wie Bayern gebe es ihn bis heute. Mit den Ergebnissen der Umfrage und dem eindrucksvollen Fachvotum unserer Lehrkräfte sei der Prüfauftrag der Koalition für ihn abgeschlossen. Die Anpassung der entsprechenden Verordnung könne deshalb noch in dieser Legislaturperiode vollzogen werden. Den Widerstand der GEW könne er hingegen nicht nachvollziehen. Ähnlich wie bei der Wiedereinführung der Kopfnoten wende sich die Gewerkschaft gegen das Votum ihrer Mitglieder. Das Kritik auch ausgerechnet von der GEW in Hamburg komme, kommentierte Brodkorb folgendermaßen: „Ich möchte mich in meiner Grundschulpolitik nicht am ‚Spitzenreiter Hamburg‘ orientieren, denn es ist die hintere Spitze!“


Simone Oldenburg zog zunächst verwunderte Blicke auf sich, als sie behauptete, dass es in der DDR zwar Mangel an Konsumgütern, aber dafür niemals Mangel an Unterrichtsversorgung gegeben hätte. Den – zumindest quantitativen – Beweis führte sie anhand von damals 51 Wochenstunden im Vergleich zu heute 30 Wochenstunden für den gleichen Wortschatz. Insofern bräuchte man zusätzliche Stunden, statt Stunden umzuschaufeln. Wenn sich der Bildungsminister bei seinen vermeintlichen Neuerungen auf DDR-Zeiten beziehe, müsse er konsequenterweise auch die Stundenausstattung mitliefern. Zudem kritisierte sie, dass die Inhalte des Antrages offenbar schon beschlossen worden seien, dem Prüfauftrag also bereits durch eine „Wohlfühlumfrage“ zuvorgekommen worden sei. Im Landtag solle hoheitliches Ministerhandeln nunmehr im Nachhinein abgesegnet werden.


Andreas Butzki (SPD) zitierte ebenfalls die Umfrageergebnisse. Anders als die Opposition dies fordere wolle man die Zahl der Gesamtwochenstundenzahl für die Grundschüler nicht noch weiter erhöhen. Insofern sei die Kopplung des Sachunterrichts mit dem Deutschunterricht die ideale Lösung. Dadurch könnten Themen aus dem Bereich der Sachkunde auch in textlichen Übungen fürs Lesen und Schreiben behandelt werden. Was den leicht reduzierten Englischunterricht angehe, seien gute Kenntnisse der Muttersprache der Schlüssel für das Erlernen von Fremdsprachen. Einer aktuellen Studie zufolge seien Fremdsprachendefizite aus dem frühen Grundschulunterricht später zudem leichter zu kompensieren, also Defizite in Rechtschreibung und Grammatik der Muttersprache.

Ulrike Berger (GRÜNE) begrüßte die geplante Stärkung des Deutschunterrichts an der Grundschule, nannte die Kürzung des Englischunterrichts aber den falschen Weg. Englisch gehöre neben Mathe und Deutsch zu den drei besonders wichtigen Fächern. Die Stärkung des einen dürfe nicht zur Schwächung des anderen führen. Schließlich sei die Zahl der Englischstunden erst vor wenigen Jahren erhöht worden. Diese nun wieder zurückzufahren sei genau die Politik der 'Reförmchen' und des ‚Hin-und-Hers‘ an den Schulen, die der Bildungsminister gern kritisiere. Wer seinen Blick neuerdings nur noch auf den DDR-Unterricht lenke, werde dem Englischunterricht natürlich wenig Bedeutung beimessen. Die Grünen seien jedoch der Auffassung, dass gute Fremdsprachenkenntnisse in einer globalisierten Welt unverzichtbar seien. Einmal mehr sollten Verbesserungen im Bildungsbereich zum Nulltarif umgesetzt werden. Für eine zusätzliche Deutschstunde in den Klassen 3 und 4, ohne Absenkung der Englischstunden, seine rund drei Millionen Euro bzw. 40 zusätzliche Stellen nötig. Diese Investition sollte man nicht scheuen. Dafür schlug sie eine Überweisung des Antrages in den Bildungsausschuss zur weiteren Beratung vor.