Lantagsfraktion Mecklenburg Vorpommern
04. Juni 2013

Auswahljury nominiert drei Kandidaten für den Johannes-Stelling-Preis

Dr. Norbert Nieszery: Auswahl aus 19 Vorschlägen war nicht einfach

Am 18. Juni verleiht die SPD-Landtagsfraktion wieder ihren Johannes-Stelling-Preis für engagiertes Eintreten gegen Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus. Eine Jury, bestehend aus dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Dr. Norbert Nieszery, dem Chef der Staatskanzlei, Christian Pegel, als Vertreter des Ministerpräsidenten, dem Rechtsextremismus-Experten der SPD-Fraktion Julian Barlen sowie Erika Drecoll vom Landesseniorenbeirat und Andreas Beck vom Landesjugendring, hat dafür drei geeignete Kandidaten nominiert.

SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Norbert Nieszery: „Die Jury konnte aus einer Vielzahl von sehr guten Vorschlägen auswählen. Das verdeutlicht eindrucksvoll, das es überall in unserem Land Einzelpersonen, Vereine oder Institutionen gibt, die sich für Demokratie, Toleranz und ein friedliches Zusammenleben einsetzen. Insgesamt sind 19 verschiedene Vorschläge eingereicht worden. Dabei ist der Jury die Auswahl der drei Nominierten sehr schwer gefallen. Viele hätten es verdient, gewürdigt zu werden.“

Wer von den drei Nominierten den Johannes-Stelling-Preis erhält, wird im Rahmen der feierlichen Preisverleihung am 18. Juni um 18.00 Uhr im Schweriner Schloss bekannt gegeben.

Folgende drei Vorschläge wurden von der Jury ausgewählt:

Ramona Ramsenthaler

Frau Ramsenthaler ist von Beruf Diplom-Pädagogin und leitet seit dem Jahr 2007 die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin. Mit außerordentlichem Einsatz engagiert sich Ramona Ramsenthaler gegen das Vergessen und forscht in Europa, um Licht in bis dahin unbekannte Biografien von einstigen Inhaftierten zu bringen.

Einen besonderen Schwerpunkt ihrer Arbeit bildet die politische Bildung mit jungen Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern. Mit Schulen und Bildungseinrichtungen werden Projekte durchgeführt mit Zeitzeugengesprächen, Filmen und ausgewertetem Quellenmaterial. Für Lehrkräfte, Erzieher/innen und andere Multiplikatoren werden Weiterbildungsmaßnahmen zur Gedenkstättenpädagogik angeboten. Zudem finden in Wöbbelin nationale und internationale Workcamps statt, bei denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich weiterbilden und praktische Arbeit für die Gedenkstätten leisten.

Ein großer Erfolg ist auch die Sonderausstellung "Die Gesichter des KZ Wöbbelin". Das Konzept, den Opfern ein Gesicht zu geben, trägt maßgeblich die Handschrift von Ramona Ramsenthaler. Die Besonderheit des Kunstprojekts ist, dass es partizipatorisch, d.h. durch die Mitarbeit vieler Menschen gestaltet wird. Ziel ist es, mit Mitteln der Kunst, Menschen für die Geschichte und den Erinnerungsort, die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin, zu interessieren und für eine Mitarbeit zu begeistern.

„Rothener Hof“ e.V.

Menschen aus der Region um das kleine Dorf Rothen bei Sternberg gründeten 2001 den Verein „Rothener Hof e.V.“ Nach über zehn Jahren Arbeit hat der Verein mit seinen rund 50 Mitgliedern wesentlich dazu beigetragen, dass Rothen sich einen Namen weit über die Grenzen des Landkreises gemacht hat. Dabei sind die bereiche Arbeit und Kultur der Kern der Vereinsarbeit. Im Laufe der Zeit wurden Arbeitsplätze geschaffen, zum Beispiel in der Schreinerei, der Schmiede und dem Café. Von Anfang gab es Angebote für Kinder wie Mal- und Zirkuskurse.

Durch die Teilnahme des Vereins an Aktionen wie „Kunst Offen“ oder dem Tag des Offenen Gartens strömen Hunderte von Menschen ins Dorf und es findet ein intensiver Austausch statt. Interessierte können an den regelmäßig stattfindenden, gut besuchten "Stammtischen" Vorschläge machen. Dadurch entsteht ein buntes Programm, das vielen ermöglicht, an der Vereinsarbeit teilzunehmen. Unbedingte Übereinstimmung herrscht in der Ablehnung rechter Anschauungen. So waren Vereinsmitglieder maßgeblich an der Aufklärung über die sogenannten "Artamanen", einer völkisch-rassistischen Gruppierung, beteiligt, die im Raum Güstrow versucht, Einfluss zu gewinnen.

 „Vorpommern: weltoffen, demokratisch, bunt!“

Das Aktionsbündnis entstand aus langjähriger demokratischer Arbeit in Vorpommern und aus Empörung über das für August 2012 in der Region geplante sogenannte „Pressefest“ des Verlags der neonazistischen Postille „Deutsche Stimme“. Das unabhängige Bündnis wird getragen von Einwohnerinnen und Einwohnern der Region, von Vereinen, Organisationen, Kirchen, Gewerkschaften, Unternehmen und den demokratischen Parteien in Vorpommern. Außerdem engagieren sich Personen und Organisationen, die sich der Region verbunden fühlen oder deutschlandweit für demokratische Kultur arbeiten. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit Kommunen und anderen öffentlichen Strukturen in Vorpommern.

Die Mitglieder, Unterstützerinnen und Unterstützer wollen ein deutliches Zeichen setzen, dass Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit weder in Pasewalk noch anderswo in Vorpommern erwünscht oder geduldet sind. Sie eint die Auffassung, dass die deutschlandweiten Probleme mit rechtsextremen Einflüssen, konsequent und langfristig auch vor Ort bekämpft werden müssen. Das Bündnis engagiert sich aktiv und mit kreativen Ideen gegen die in Vorpommern vorhandenen neonazistischen Strukturen und setzt dem der Region oft verpassten „braunen Image“ ihre langfristige orientierte Arbeit für eine solidarische und freiheitliche, kulturell vielfältige Entwicklung Vorpommern entgegen.