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10. April 2014

Landtag steht hinter Erfolgsmodell beruflicher Ausbildungsstandards in Deutschland

Landtag steht hinter Erfolgsmodell beruflicher Ausbildungsstandards in Deutschland
Fachkräfte sind angesichts der demografischen Entwicklung zunehmend Mangelware. Um der Wirtschaft im Land auch weiterhin geeigneten Nachwuchs zu stellen, legt sich das Land noch einmal ins Zeug und muss dabei noch mit den Widrigkeiten europäischer Regelungswut kämpfen ...

Mit ihrem Antrag „Spitzenqualifikationen des Mittelstands sichern und stärken" (Drs. 6/2830) hat die Koalition heute auf Initiative der SPD-Fraktion die Landesregierung gebeten, die duale Ausbildung sowie die Aufbau- und Zusatzqualifikationen in Mecklenburg-Vorpommern zu sichern und weiter zu stärken. Außerdem sollen die Fachkräftekampagnen „Durchstarten in MV – Dein Land, deine Chance!" und „Besser ein Meister" über das Jahr 2014 hinaus fortgesetzt werden. Auch auf europäischer Ebene soll die Bundesregierung in ihren Bemühungen um die Sicherung des dualen Ausbildungssystems sowie der Aufbau- und Zusatzqualifikationen unterstützt werden.

Hintergrund: Der Mittelstand ist der Wachstumsmotor der deutschen Volkswirtschaft. Er bildet auch das Fundament unserer Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern. 99,6 Prozent aller Unternehmen gehören quantitativ zum Mittelstand. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind hierzulande Arbeitgeber für 81,3 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

SPD-Wirtschaftsexperte Jochen Schulte nannte Fachkräfte und deren Sicherung in seiner Einbringung des Antrages die bestimmenden Faktoren zur Ausschöpfung der wirtschaftlichen Potenziale des Landes. Grundpfeiler dafür sei das bewährte duale Ausbildungssystem, das viele Lände inzwischen kopieren wollten. Da aber aktuell 30.000 Lehrstellen unbesetzt seien und jedes zweite Unternehmen Probleme habe, seine Lehrstellen zu besetzen, müsse das Land unterstützend tätig werden und die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Ziel müsse es sein, dass sich möglichst viele junge Menschen für eine duale Berufsausbildung oder ein Studium und eine anschließende Berufstätigkeit in Mecklenburg-Vorpommern entschieden. Dabei komme es nicht nur auf eine gute Bezahlung an, sondern auch auf Zukunftsperspektiven wie z.B. die Möglichkeit zur Selbstständigkeit, der späteren Übernahme der Firma oder die Erlangung eines Meisterabschlusses. Beeindruckend: immerhin 70 Prozent der Firmengründungen durch Meister seien auch nach 5 Jahren noch am Markt – das sei eine beachtliche Überlebensquote! Bei der Kampagne „Besser ein Meister" käme es übrigens darauf an, den Frauenanteil zu steigern - der liege derzeit bei nur 25 Prozent. Ein wichtiges Thema sei auch die Unterstützung des Landes bei Unternehmensnachfolgen. Vor allem die Übernahme von Handwerksbetrieben durch qualifizierte Meister trage entscheidend zur Sicherung einer großen Zahl von Arbeitsplätzen bei.

Wirtschaftsminister Harry Glawe warb ebenfalls für das duale Ausbildungssystem als Verbindung von Praxis im Betrieb und Theorie in den Berufsschulen. Dieses System sei auch der Grund für die vergleichsweise niedrige Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland. Außerdem erhöhe eine Ausbildung die Übernahmechancen durch den Ausbildungsbetrieb. Das funktionierende Kammersystem und der Meisterbrief seien Strukturelemente, die leider immer wieder innerhalb Europas und von der EU-Kommission infrage gestellt würden. Für ihn sei es geradezu paradox, dass die EU-Kommission auf der einen Seite den Krisenländern das duale Ausbildungssystem empfehle, gleichzeitig aber in ihren Mitgliedsstaaten den Meisterbrief als ungerechtfertigte Beschränkung und Marktzugangsschranke bezeichne. Allen Anläufen die duale Ausbildung und die Aufbau- und Zusatzqualifikationen infrage zu stellen, müsse eine klare Absage erteilt werden. Wer den Meisterbrief in Frage stelle, der stelle auch die Qualität der Ausbildung und letztendlich das duale System in Frage. Die Abwanderung junger Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern habe sich im Übrigen deutlich verringert: Der Wanderungssaldo in der ausbildungsrelevanten Altersgruppe 15 bis 20 Jahre betrug im Jahr 2012 plus 178. Dies sei auch ein Verdienst der Fachkräftekampagne des Wirtschaftsministeriums und der Industrie- und Handelskammern „Durchstarten in MV" (www.durchstarten-in-mv.de), auf der inzwischen über 1.153 Unternehmen mit insgesamt 2.723 Ausbildungsangeboten in 288 Berufen vertreten sind. Die Anmeldung sei für die Unternehmen kostenlos. Es gäbe also viele Chancen, die genutzt werden müssten.

Helmut Holter von der LINKEN goß Wasser in den Wein. Man verschweige auf Seiten der Koalition die schwierige Lage an den Berufsschulen - die hohe Abbrecherquote, den Unterrichtsausfall und zu große Klassen. Die Lehrer leisteten Großes, fänden aber schlechte Bedingungen vor. Ein Änderungsantrag der LINKEN solle die Stellung der dualen Ausbildung deshalb noch stärker herausstreichen. Die 50 Mio. € aus dem Bildungspaket, die auch den Berufsschulen zugute kämen, seien zwar gut, aber viel zu wenig, wenn man bedenke, dass in der Schule die Voraussetzungen für den späteren beruflichen Werdegang eine Menschen geschaffen würden.

Wolfgang Waldmüller (CDU) teilte die Sorge seines Ministers über die Entwicklungen innerhalb der EU bezüglch des Meisterbriefes und er dualen Ausbildung. Es dürfe nicht sein, dass erfolgreiche Systeme an weniger erfolgreiche Systeme angepasst würden und der Vergleich zeige, dass das deutsche System mehr als erfolgreich sei. So liege der Meisterabschluss international inzwischen auf dem Niveau des Bachelorabschlusses. Deshalb müsse der Meister als Premiummarke erhalten belieben. Auch Waldmüller räumte Potenziale bei der theoretischen Ausbildung, insbesondere der Abbrecher- und Ausfallquote, ein. Die Maßnahmen des Bildungsministeriums fruchteten aber bereits.

Jürgen Suhr (GRÜNE) beklagte, dass jungen Menschen oft soziale Kompetenzen fehlten. Da helfe es dann auch nicht, wen Betriebe bei den fachlichen Voraussetzungen Zugeständnisse machten. Nachbesserungsbedarf gebe es auch bei der berufsbildenden Integration von Jugendlichen aus anderen Ländern. Der Antrag bleibe seiner Auffassung nach konkrete Antworten auf zentrale Fragen schuldig, als pauschalem Antrag könnte man ihm durchaus zustimmen.

Jochen Schulte griff noch einmal die Aussagen seiner Vorredner auf. Gegenüber Holters Meinung sei der betriebliche Teil eher Kern des dualen Systems als der schulische. Und gerad der betriebliche Teil werde auch von den Nachahmern in Europa kopiert. Dem Vorwurf der Unkonkretheit durch Suhr wiedersprach Schulte mit dem Hinweis, dass es hier um die Darstellung des Komplexität der Ausbildung von der Lehre bis zum Meister ginge und dass man klarmachen wolle, dass die berufliche Ausbildung eine Alternative zum Studium sei. „Mir ist ein guter Handwerker lieber, als ein schlechter Akademiker!", brachte es Schulte auf den Punkt. Es ginge also im Kern des Antrages nicht um einzelne konkrete Maßnahmen.

Nachdem auch Helmut Holter eine kurze Erwiderung gab („Zum Duo gehören zwei!") stimmten Koalitionäre und LINKE für den Antrag, die GRÜNEN enthielten sich.