Lantagsfraktion Mecklenburg Vorpommern
23. September 2005

Ausschussreise nach Finnland bestätigt schulpolitischen Kurs der SPD-Landtagsfraktion

Langes gemeinsames Lernen aller Schüler und stärkere Selbstständigkeit der einzelnen Schulen sind dort bereits Realität
Der Bildungsausschuss des Landtages ist in der vergangenen Woche nach Finnland gereist. Das Land ist Spitzenreiter in allen Bildungsstudien und erklärtes Vorbild für die sozialdemokratische Bildungspolitik in Mecklenburg-Vorpommern. Die Ausschussmitglieder besuchten vor Ort Kindertagesstätten und Gesamtschulen, eine Hochschule und eine Ausbildungsschule für angehende Lehrerinnen und Lehrer und diskutierten mit Praktikern, Politikern und Experten aus allen Bereichen die Voraussetzungen und Vorzüge des finnschen Bildungssystems.
Die schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion zeigte sich begeistert von der ganzheitlichen Ausrichtung des finnischen Bildungssystems: „Bildung und Bildungspolitik werden in Finnland als Querschnittsaufgabe der gesamten Gesellschaft wahrgenommen und haben auch den entsprechenden Stellenwert in der Öffentlichkeit. Ein Rad greift dort ins andere, denn das Ziel ist ein möglichst offenes und durchlässiges Bildungssystem, das allen Kindern und Jugendlichen entsprechend ihren individuellen Möglichkeiten optimale Chancen bietet.“
Die SPD-Fraktion sieht sich durch die Eindrücke der Reise auf ihrem schulpolitischen Kurs bestätigt. Polzin weiter: „Ein entscheidender Aspekt ist das sehr freundliche Lernklima in den finnischen Schulen. Kontrolle und Sanktion wurden dort durch individuelle Hilfe und das Vertrauen in die verschiedenen Stärken der einzelnen Schüler ersetzt. Die strikte Trennung der Fächer, die räumliche Abschottung der Klassen und die strenge Einteilung des Schultages nach der Stechuhr wurden in Finnland aufgehoben. Wir haben dort sehr selbstständig arbeitende Schüler erlebt, die in Kleingruppen oder auch allein bestimmte Aufgaben und Problemfelder bearbeiteten. Die Rolle des Lehrers ist in Finnland dabei eher die eines Lernbegleiters.“
Um Schule so erfolgreich gestalten zu können, hat die SPD-Bildungspolitikerin zwei Voraussetzungen in Finnland entdeckt: Neben dem langen gemeinsamen Lernen aller Schüler gehöre die stärkere Selbstständigkeit der einzelnen Schulen dort zum gelebten Schulalltag.
Die Selbstständige Schule biete Spielräume und Anreize für die lokalen Verantwortlichen, um auf die konkreten Bedürfnisse und Erfordernisse vor Ort einzugehen. „Hier können wir anknüpfen an unser dreijähriges Modellvorhaben ‚Mehr Selbstständigkeit für Schulen’, das jetzt im zweiten Jahr an 20 Schulen läuft. Auf diesem Weg machen wir unser Bildungssystem flexibler und passgenauer, was sich langfristig auch positiv auf das Bildungsniveau unserer Schüler auswirken wird.“ Nach Heike Polzins Meinung wird es aber umso wichtiger sein, zentrale Standards und ein breites inneres und äußeres Evaluierungssystem zu etablieren. Unter diesen Voraussetzungen werde sie sich dafür einsetzen, dass insbesondere der Ruf nach einer stärkeren Selbstständigkeit der Schulen im Land eine wichtige Rolle im nächsten Regierungsprogramm der SPD spielen werde.
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