Lantagsfraktion Mecklenburg Vorpommern
18. Juni 2013

SPD-Landtagsfraktion ehrt das Bündnis „Vorpommern: weltoffen, demokratisch, bunt!“ mit dem Johannes-Stelling-Preis

Bündnis leistet Großartiges in Vorpommern!

Die SPD-Landtagsfraktion hat heute im Rahmen einer festlichen Veranstaltung zum nunmehr achten Mal den Johannes-Stelling-Preis verliehen. Er geht in diesem Jahr an das Bündnis „Vorpommern: weltoffen, demokratisch, bunt!".

Das Aktionsbündnis entstand aus langjähriger demokratischer Arbeit in Vorpommern und aus Empörung über das für August 2012 in der Region geplante sogenannte „Pressefest" des Verlags der neonazistischen Postille „Deutsche Stimme". Das unabhängige Bündnis wird getragen von Einwohnerinnen und Einwohnern der Region, von Vereinen, Organisationen, Kirchen, Gewerkschaften, Unternehmen und den demokratischen Parteien in Vorpommern. Außerdem engagieren sich Personen und Organisationen, die sich der Region verbunden fühlen oder deutschlandweit für demokratische Kultur arbeiten. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit Kommunen und anderen öffentlichen Strukturen in Vorpommern. Das Bündnis engagiert sich mit Ideen gegen die in Vorpommern vorhandenen neonazistischen Strukturen und setzt dem der Region oft verpassten „braunen Image" ihre langfristige orientierte Arbeit für eine solidarische und freiheitliche, kulturell vielfältige Entwicklung Vorpommerns entgegen.

Stellvertretend für das Bündnis nahmen Benno Plassmann und der Bürgermeister von Pasewalk, Rainer Dambach, den Preis entgegen.

In seiner Laudatio sagte Ministerpräsident Erwin Sellering: „Ich freue mich, dass sich die Jury in diesem Jahr dazu entschieden hat, das Bündnis „Vorpommern: weltoffen, demokratisch, bunt" für das Engagement gegen das so genannte NPD-Pressefest bei Pasewalk auszuzeichnen. Das Bündnis hat im Sommer letzten Jahres Großartiges geleistet im Kampf gegen den Rechtsextremismus. Was in 50 Tagen auf die Beine gestellt wurde - eine Menschenkette mit 2.000 Teilnehmern, eine beeindruckende Demokratiemeile, ein fröhliches Demokratiefest - das hätten viele der Beteiligten am Anfang selbst nicht für möglich gehalten. Wie durch eine Initialzündung wurden die Menschen ermutigt, Gesicht zu zeigen gegen die NPD."

Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion Dr. Norbert Nieszery sagte in seiner Begrüßungsrede: „Unsere Gesellschaft, unsere Demokratie lebt von Engagement, Einmischung und Teilhabe und nicht von Desinteresse und dem Rückzug ins Private. Die vielen guten Vorschläge, die uns aus allen Teilen des Landes erreicht haben, zeigen eine erfreuliche Tendenz für Mecklenburg-Vorpommern. Zunehmend entwickeln sich auch in ländlichen Gebieten zivilgesellschaftliche Strukturen. Ganz unterschiedliche Menschen und Gruppen werden zunehmend vor Ort aktiv, finden ihre Stimme, überwinden ihre Angst und treten mutig der rechtsextremistischen Szene entgegen.
Die drei Nominierten stehen heute verdientermaßen im Mittelpunkt. Das Bündnis „Vorpomnern: weltoffen, demokratisch, bunt!", Ramona Ramsenthaler und der Verein „Rothener Hof" haben sich im Sinne des Johannes-Stelling-Preises vorbildlich engagiert!"

Die Stelling-Preisträger verteidigen mit ihrem Einsatz auch „das Recht, anders zu sein", sagte der evangelisch-lutherische Bischof Dr. Andreas von Maltzahn in seinem Festvortrag und verwies auf die jüdisch-christliche Tradition in der gerade die Schwachen – insbesondere Witwen, Waisen und Ausländer unter dem speziellen Schutz Gottes stehen. Im Blick auf heute geht es nach den Worten des Theologen um die Gestaltung einer Gesellschaft, die „die Menschen nicht abschreibt, die gestrandet sind, die Aufgaben findet und honoriert auch für jene, über die der Arbeitsmarkt schon lange hinweggegangen ist". So könne Solidarität und Gemeinschaft wachsen und damit falscher sogenannter ‚Kameradschaft' der Nährboden entzogen werden. Der Bischof drückte den Wunsch aus, dass „mehr und mehr Menschen erfahren, dass es ,etwas bringt', sich einzubringen und unsere Demokratie lebendig zu gestalten".

Außer dem Bündnis waren auch Ramona Ramsenthaler und der Verein „Rothener Hof e.V." für den Johannes-Stelling-Preis nominiert worden. Sie erhielten für ihre engagierte Arbeit jeweils einen Ehrenpreis. Stellvertretend für den „Rothener Hof e.V." nahmen die Vereinsvorsitzende Takwe Kaenders und Richard Scherer den Preis in Empfang.

Ramona Ramsenthaler
Frau Ramsenthaler ist von Beruf Diplom-Pädagogin und leitet seit dem Jahr 2007 die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin. Mit außerordentlichem Einsatz engagiert sie sich gegen das Vergessen und forscht in Deutschland, Europa und den USA, um Licht in unbekannte Biografien von einstigen KZ-Häftlingen zu bringen.
Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit bildet die politische Bildung mit jungen Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern. Mit Schulen und Bildungseinrichtungen macht sie Projekte mit Zeitzeugengesprächen, Filmen und ausgewertetem Quellenmaterial. Für Lehrkräfte, Erzieher/-innen und andere Multiplikatoren werden Weiterbildungen zur Gedenkstättenpädagogik angeboten. Zudem finden in Wöbbelin nationale und internationale Workcamps statt, bei denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich fortbilden und praktische Arbeit für die Gedenkstätten leisten. Ein großer Erfolg ist die Sonderausstellung "Die Gesichter des KZ Wöbbelin". Das Konzept, den Opfern ein Gesicht zu geben, trägt maßgeblich die Handschrift von Ramona Ramsenthaler. Ziel des partizipatorischen Kunstprojektes ist, mit Mitteln der Kunst Menschen für die Geschichte und den Erinnerungsort, die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin, zu interessieren und für eine Mitarbeit zu begeistern.

„Rothener Hof e.V."
Menschen um das Dorf Rothen bei Sternberg gründeten 2001 den Verein „Rothener Hof e.V." Nach über zehn Jahren Arbeit hat der Verein mit seinen rund 50 Mitgliedern wesentlich dazu beigetragen, dass Rothen sich einen Namen weit über die Grenzen des Landkreises gemacht hat. Dabei sind Arbeit und Kultur der Kern der Vereinsarbeit. Interessierte können an den regelmäßig stattfindenden, gut besuchten "Stammtischen" Vorschläge machen. Dadurch entsteht ein buntes Programm, das vielen ermöglicht, an der Vereinsarbeit teilzunehmen. Unbedingte Übereinstimmung herrscht in der Ablehnung rechter Anschauungen. So waren Vereinsmitglieder maßgeblich an der Aufklärung über die sogenannten "Artamanen", einer völkisch-rassistischen Gruppierung, beteiligt, die im Raum Güstrow versucht, Einfluss zu gewinnen. 2011 wurde der Verein mit dem Regine-Hildebrandt-Preis ausgezeichnet, was zu einem noch stärkeren politischen Engagement motivierte.