Lantagsfraktion Mecklenburg Vorpommern
10. Oktober 2013

Historische Parks und Gärten in M-V sollen besser vermarktet werden

Historische Parks und Gärten in M-V sollen besser vermarktet werden
Sich zu vorgerückter Stunde mit den Gärten und Parks des Landes zu befasssen, ist eigentlich keine dankbare Aufgabe für Landtagsredner. Überraschenderweise gab es dann aber doch eine sehr lebhafte Debatte, weil sich die Opposition am Begriff "objektbezogene Gartenschau" rieb. Eben diesen Gartenschauen - allerdings im großen Stile - hatte die Landesregierung kürzlich eine Absage erteilt ...

Mit ihrem Antrag "Attraktivität staatlicher Gärten und Parks erhöhen" (Drs-Nr. 6/2251) haben die Fraktionen von SPD und CDU heute ihr Anliegen unterstrichen, die Anziehungskraft der staatlichen Gärten und Parks für eine breitere Öffentlichkeit durch objektbezogene Gartenschauen zu erhöhen. Damit sollen insbesondere der regionalen Wirtschaft und dem Tourismus neue Impulse verliehen werden.

Hintergrund: Die staatlichen Gärten und Parks werden mit hohem finanziellem Aufwand revitalisiert, gehegt und gepflegt. Der Bekanntheitsgrad und die überregionale Ausstrahlung dieser Kleinode kann und sollte erhöht werden. Ein geeignetes Mittel dafür ist die Ausrichtung von "Gartenschauen" mit den vorhandenen Ensembles im Mittelpunkt. Die aus Gartenschauen resultierenden Impulse für gewerbliche, private und öffentliche Investoren wirkten sich positiv auf die infrastrukturelle, wirtschaftliche und touristische Entwicklung in den jeweiligen Kommunen und deren Umfeld aus.

SPD-Finanzsexperte Tilo Gundlack nannte die Schlösser und Gärten des Landes eine perfekte touristische Ergänzung für Gäste aus dem In- und Ausland, zumal der Tourismus zu den wichtigsten Wirtschaftsbranchen in unserem Land gehöre. Insgesamt besitze das Land neun Schlösser mit den dazugehörigen Gärten und Parks. Jedes dieser Kleinode hab seine eigene Geschichte: ausgehend vom Renaissancegarten in Güstrow über die Barockgärten in Ludwigslust, Schwerin, Bothmer und Neustrelitz bis hin zu den Landschaftsparks in Wiligrad, Mirow, Hohenzieritz und Granitz. In die landeseigenen Schlösser und Gärten seinen seit 1990 viele Millionen an Investitionen geflossen. Allein für die Gärten würden die Baukosten bis Endes 2013 über 40 Mio. Euro betragen ohne die Orangerie im Schweriner Schloss. Diese Investitionen sollen sich künftig noch mehr lohnen, indem die durchaus schon beachtliche Gästezahl von 500.000 jährlich weiter gesteigert wird. Genau das sei das Ziel der Landtagsinitiative. Man wolle den Bekanntheitsgrad und die überregionale Ausstrahlung der einheimischen Schlösser und Gärten erhöhen. Essen, Trinken, Kunst, Kultur, Musik und Wissensvermittlung könnten dort noch mehr zum Erlebnis werden, ohne dass die historische Gartengestaltung zu kurz komme. Viele Menschen suchten erlebbare Geschichte und nahe beieinander liegenden Schlösser könnten gemeinsame Events schaffen. Kreative Ideen gebe es genug, sie sollten so koordiniert und vernetzt werden, so dass sich die staatlichen Schlösser und Gärten gegenseitig unterstützten und als Gesamtheit erlebbar würden.

Finanzministerin Heike Polzin nannte das Land ausnahmsweise einmal reich - nämlich reich an Schlössern, Parks und Gärten. Durch das in sie investierte Geld hätten viele Einrichtungen Strahlkraft, um europäische Gartenbaukunst erlebbar zu machen. Es gebe aber nicht nur den kulturellen Auftrag, sondern auch das Potenzial für den Tourismus, gerade in strukturschwachen Regionen und außerhalb der Saison. Schon jetzt gebe es jährlich eine halbe Million Gäste nur in diesem Bereich. Im Übrigen komme der Antrag zum richtigen Zeitpunkt, weil auch im nächsten Jahr neue gärtnerische Attraktionen "ans Netz" gehen werden. Die vor allem historischen Gärten und Parks seien nicht vergleichbar mit Buga oder IGA und man werde sie auch nicht einzäunen. Dafür plane man professionelle Marketingmaßnahmen - ein zusammen mit dem Landesmarketing entwickeltes einheitliches Signet gebe es bereits. Man wolle als Land mit der Zeit gehen, ohne die Geschichte zu vergessen.

Helmut Holter (Die LINKE), stellte die Frage, ob sich mit dem Antrag die grundsätzliche Auffassung der Koalition und der Landesregierung zu Gartenschauen geändert habe. Der Antrag hebele zumindest mit dem Begriff "objektbezogene Gartenschauen" die bisherige eher ablehnende Position aus. Mit einem eigenen Änderungsantrag wolle man übrigens nicht nur eine Prüfung von Maßnahmen herbeiführen, sondern "fordere" die Erstellung eines Konzeptes.

Egbert Liskow (CDU) verbreitete die Erkenntnis, dass beim Reichtum an Gärten und Schlössern das Land auch reich sein müsse, um diese zu erhalten. Als Tourismusland sei man aber natürlich in der Pflicht, das Land attraktiver zu machen und dies zu vermarkten. Wermutstropfen im Antrag sei aus seiner lokalen Sicht die Fokussierung auf staatliche Schlösser und Gärten. In Vorpommern gebe es z.B. das Schloss Ludwigsburg. Auch hier solle das Land über Lösungen nachdenken.

Jutta Gerkan (GRÜNE), stellte ebenfalls die Frage der LINKEN, was die Koalition wolle, wenn im Antrag teilweise doch von kleinen Gartenschauen die Rede sei. Mit der "Gartenroute" und "Offene Gärten" gebe es nichtstaatliche Initiativen, die Kulturgeschichte und kulinarische Erlebnisse originell verbänden. Ein weiteres Mittel sei die erhöhte Aufmerksamkeit durch Veranstaltungen in den Parks, z.B. das kleine Fest im großen Park in Ludwigslust mit einem diesjährighen Besucherrekord von 18.000 Gästen. Traditionelle Gartenschauen hingegen seien ungeeignet und mehrheitlich ein finanzielles Fiasko für die austragenden Kommunen. So sei Rostock auf 20 Mio. Euro Schulden sitzengeblieben. Schwerin habe zwar 3 Mio € Gewinn gemacht, aber im Vorfeld 60 Mio. € Förderung erhalten. Auch in Hamburg werde mit Verlusten von 25 Mio. €  gerechnet. Gartenschauen seien zudem selten ökonomisch nachhaltig und überplanten häufig naturnahe Bereiche mit "visionärer Landschaftsgestaltung", die hinterher hohe Folgekosten habe. Mit ihrem Änderungsantrag wollten die GRÜNEN deshalb die Forderung nach "objektbezogenen Gartenschauen" streichen lassen.

Tilo Gundlack nahm am Schluss der Debatte noch zur Entstehungsgeschichte des Antrages Stellung, sorgte aber vor allem noch für einige Erheiterung, also es darum ging, wer in der SPD-Landtagsfraktion für das Thema (Garten)-Romantik zuständig sei.
 
Die Änderungsanträge der GRÜNEN und der LINKEN wurden letztlich abgelehnt. Der Antrag selbst erhielt in der Einzelpunktabstimmung natürlich die Stimmen der Koalition, LINKE und GRÜNE wechselten zwischen Zustimmung, Ablehnung und Enthaltung.