Lantagsfraktion Mecklenburg Vorpommern
26. Januar 2021

Demokratie schützen und Gesicht zeigen gegen das Vergessen

Der 27. Januar ist seit 76 Jahren ein Mahn- und Gedenktag für alle Opfer des Naziterrorregimes. An diesem Tage endeten im KZ Auschwitz für rund 7000 Häftlinge Selektion und Hunger, Gaskammern, Krematorien und sadistische Menschenversuche. Damals erreichten Soldaten der Roten Armee das Tor mit der zynischen Botschaft „Arbeit macht frei“. Für 1,3 Millionen Menschen kamen die Befreier zu spät. Auschwitz war ein Vernichtungslager. Überleben war die Ausnahme. Zum Holocaust-Gedenktag erklärt Thomas Krüger, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag Mecklenburg-Vorpommern: 
„Scheinbar haben nicht alle Menschen aus der furchtbarsten und dunkelsten Geschichte Deutschlands gelernt. Deshalb müssen wir gegen das Vergessen ankämpfen! Ideologien und Denkmuster aus der Naziterrorzeit dürfen nie wieder eine demokratische Gesellschaft zerstören. Darum müssen wir bereits den Anfängen wehren. Der Antisemitismus ist auch in Deutschland wieder erstarkt. Trauriger Höhepunkt war der Anschlag in Halle: Es war ein abscheulicher Versuch, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur die Synagoge zu stürmen und die dort betenden Menschen zu ermorden. Traurige Wahrheit ist leider auch, dass Menschen in Deutschland und Mecklenburg-Vorpommern wieder um ihr Leben fürchten, weil sie eine andere Hautfarbe, einen anderen Glauben, eine andere Weltanschauung haben oder eben einfach anders sind. Wenn wir den Angriffen nur stumm zusehen, ist unsere Demokratie wirklich wieder in Gefahr. Darum müssen wir jeden Tag unsere weltoffene, vielfältige, tolerante und vor allem friedliche Gesellschaft verteidigen. Und was hilft am besten gegen Intoleranz und Hass? Gute Aufklärung und Bildung im Sinne einer solidarischen Gesellschaft. Hierfür ist unter anderem das im Landtag von allen konstruktiven Fraktionen beschlossene Landesprogramm ‚Demokratie und Toleranz gemeinsam stärken‘ über Parteigrenzen hinweg eine wichtige Grundlage.

Der 27. Januar 2021 markiert 76 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz. Auschwitz als das Synonym für die ‚Verbrechen an der Menschheit‘, für die Shoah, für den Porajmos, ebenso für die Qualen und den gewaltsamen Tod von Sozialdemokraten, Kommunisten, Kriegsgefangenen, Homosexuellen, Zeugen Jehovas und anderen Verfolgten. Auschwitz ist das bekannteste Konzentrationslager des Naziterrorregimes und steht als Synonym für unzählige andere Orte des Leidens und des Sterbens: Sobibor, Treblinka, Majdanek, Chelmno, Bergen-Belsen, Dachau, Ravensbrück, Buchenwald. Auch am 76. Gedenktag haben wir eine immerwährende Verantwortung: Wir müssen das Wissen über die Gräueltaten und das Erinnern an Auschwitz wachhalten. Gegen das Vergessen muss die Geschichte des größten Konzentrations- und Vernichtungslagers, das innerhalb weniger Jahre der größte Friedhof der Welt wurde, immer wieder neu erzählt werden. Seit 76 Jahren müssen Überlebende und deren Nachfahren, muss die Welt, müssen wir mit dem Zivilisationsbruch leben, den der Name Auschwitz markiert. Auschwitz war eben nicht nur gestern. Auschwitz ist ganz besonders auch heute. Auschwitz ist einfach immer noch. Und Auschwitz wird bleiben. Wir dürfen niemals vergessen. Einen Schlussstrich darf es niemals geben. Auch kein Relativieren.

Wenn wir – 76 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz – über die unfassbaren Gräueltaten des Nationalsozialismus sprechen, dann lehrt uns die Zeit vor allem zwei Schlüsse: Es darf nie wieder Krieg von deutschem Boden ausgehen; Auschwitz darf sich nie wiederholen. Jedoch spätestens seitdem AfD-Gauland die zwölf Jahre Naziterrorherrschaft mit dem Wort ‚Vogelschiss‘ bagatellisierte, ist deutlich geworden: Die zweite Lehre aus dem Nationalsozialismus wird untergraben. Jüdinnen und Juden haben in Deutschland wieder Angst. Das ist eine inakzeptable Entwicklung. Gegen diese brauchen wir endlich den Schulterschluss aller Demokratinnen und Demokraten.“

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