Lantagsfraktion Mecklenburg Vorpommern
23. April 2021

Geburtenstation Rügen muss wieder ans Netz

Zur aktuellen Debatte rund um die Abmeldung der Geburtshilfe im Sana-Klinikum Bergen erklärt der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Julian Barlen: 

„Das Gesundheitsministerium darf diese Abmeldung nicht einfach akzeptieren. Der Gesundheitsminister muss gemeinsam mit dem Krankenhauskonzern und allen Akteuren vor Ort eine Lösung finden, damit wieder Hebammen und Ärzt*innen gefunden werden und Eltern mit ihren Kindern eine Anlaufstelle haben.

Anstelle des Wahlkampfgetöses von Herrn Ehlers und des konsequenten Boykotts der Medizin-Enquete durch das zuständige Gesundheitsministerium braucht es einen sachlichen, kollegialen Austausch aller Beteiligten über Lösungen. Dabei müssen wir bereits laufende Initiativen und neue Ansätze gleichermaßen in den Blick nehmen. Die Fehlentscheidung am Klinikum in Bergen hinsichtlich der Abmeldung muss durch den Träger und das Ministerium revidiert werden. Die von Herrn Ehlers angesprochene Bundesratsinitiative hat hiermit unmittelbar nichts zu tun.

Hinsichtlich der Bundesratsinitiative zur Refinanzierung der Kinder- und Jugendmedizin zeigt sich Herr Ehlers jedoch zudem erneut schlecht informiert, so wurde diese nicht nur durch MV und Sachsen-Anhalt, sondern auch Bremen eingebracht. Anstelle von Schuldzuweisungen sollte die CDU-Fraktion sich auf Bundesebene in CDU-Kreisen mit voller Energie dafür einsetzen, dass Kinder- und Jugendmedizin besser finanziert wird.

Gute Rahmenbedingungen für Kinder und ihre Eltern sind ein wichtiger Standortfaktor für unser Land. Gerade im Bereich der Pädiatrie und Geburtshilfe stehen die Regionen in MV aufgrund der weiten Fläche, des Mangels an Fachkräften und der unzureichenden Refinanzierungsstruktur vor großen Herausforderungen. Ich kann die Sorgen der (angehenden) Eltern auf Rügen nachempfinden.

Derweil ist das Thema Geburtshilfe und Kinder- und Jugendmedizin auch in der Enquete-Kommission zur Zukunft der medizinischen Versorgung auf der Tagesordnung. Klar ist: Alle vorhandenen Kräfte und Ressourcen im ambulanten und stationären Bereich müssen in unserem Bundesland ganz eng zusammenarbeiten und die schlausten Kooperationslösungen entwickeln. Damit Qualität und Erreichbarkeit gleichermaßen gewährleistet sind.

Beispielsweise hat Mecklenburg-Vorpommern ein eigenes Stipendien-Programm für Studierende der Humanmedizin aufgelegt und die Hebammenausbildung neu aufgestellt. Das Landärzt*innen-Gesetz ermöglicht mehr jungen Menschen, die einen Beitrag zur Versorgung in der Fläche leisten wollen, einen leichteren Zugang zum Medizinstudium. In diesem Zusammenhang ist wichtig zu erwähnen, dass die massiven Investitionen des Landes in Mediziner*innen sich auch in einer höheren Quote von Absolvent*innen auszahlen, die nach dem Studium auch im Land bleiben und als Ärzt*innen arbeiten. Dies lässt sich beispielsweise durch gute Rahmenbedingungen beim Wohnen, bei der Kinderbetreuung und Schule bis hin zu Jobangeboten für Ehepartner*innen ermöglichen.

Im Augenblick wird ebenfalls die konkrete Umsetzung der von der Krankenhausgesellschaft erarbeiteten Konzeption zur Förderung zusätzlicher Weiterbildungsstellen in der Kinder- und Jugendmedizin beraten. Diese enthält ausgezeichnete Ansätze, die Versorgung in der Fläche perspektivisch zu verbessern.

Auch die Forschung leistet permanent Beiträge. So arbeitet die Uni Greifswald mit dem ‚Institut for Community Medicine‘ an einem telemedizinischen Pädiatrie-Netzwerk, das die Ressourcen und das Wissen von der Unimedizin bis zum kleinen Versorgungsstandorte bündelt und im Sinne von Kindern und Eltern in der Fläche dauerhaft zugänglich macht.

Eine Geburtshilfe in der Fläche beginnt mit Respekt vor der Leistung der Hebammen und einer guten Bezahlung ihrer Leistungen. Eine langfristige Sicherstellung wird nur im kooperativen Verbund von der ambulanten Vor- und Nachsorge über die stationäre Grundversorgung in Kooperation mit den niedergelassenen Fachärzt*innen unter Nutzung aller telemedizinischer Möglichkeiten bis hin zur Zentrumsmedizin in den Vollversorgern gelingen.

Diese Ansätze allesamt gemeinschaftlich zu verfolgen und regional anzupassen, ist ein Weg zu einer Verbesserung der Situation.“
Kontakt
  • Sprecher für Gesundheitspolitik, Strategien gegen Rechtsextremismus