Lantagsfraktion Mecklenburg Vorpommern
26. Juli 2021

Erfolgreiche Energiewende braucht konsequente Anwendung bestehender Technologien

Beste Voraussetzungen für MV, klimaneutral zu werden - Netzausbau ist Achillesferse in der Energiewende

Mecklenburg-Vorpommern ist bei der Erzeugung erneuerbaren Stroms in Deutschland Spitzenreiter. Im Land werden 167 Prozent seines Strombedarfs produziert und MV ist damit längst Nettoexporteur, so die Zahlen der Stiftung Klima. Dazu erklärt Philipp da Cunha, energiepolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion:

„Platz eins in Deutschland beim an Land erzeugten erneuerbaren Strom zeigt, wir haben in MV vieles richtig gemacht. Wir haben aber auch noch ein Stück des Weges vor uns, denn Strom ist nur ein Teil unseres Energieverbrauchs. Die anderen beiden sind Mobilität und Wärme. Da müssen wir noch nachlegen. Aktuell decken wir rund 40 Prozent unseres Gesamtenergieverbrauchs im Land aus erneuerbaren Quellen. Und wir haben beste Voraussetzungen, daraus 100 Prozent zu machen, sprich klimaneutral zu werden.

Dafür benötigen wir keinen ominösen technologischen Fortschritt, der im Wahlkampf von einzelnen Protagonisten ins Feld geführt wird. Wir brauchen auch keine Wunderwaffen gegen die Erderwärmung. Wir müssen einfach nur die Technologien, die wir bereits haben, konsequent nutzen und müssen bestehende Hürden abbauen. Wir haben alles notwendig längst in der Hand, um unsere Energieversorgung sicher und bezahlbar umzubauen.

Laut jüngster Zahlen der AG Energiebilanzen vom Januar und Februar haben nur noch 29 Prozent der neugebauten Wohnungen eine Gasheizung. Der Rest läuft über Fernwärme (22,6%), elektrische Wärmepumpen (42,3%) und Holz oder Holzpellets (4,1%). Im Neubau leben wir die Energiewende also längst.

Was wir benötigen, ist ein Konzept, wie wir in den kommenden Jahren die 75 Prozent im Wohnungsbestand, die mit Gas und Heizöl beheizt werden, klimaneutral umbauen. In Rostock und Neubrandenburg werden gerade große Tauchsieder gebaut, mit denen Windenergie in Wärme umgewandelt werden kann, um sie dann im Fernwärmenetz zu nutzen. So muss erneuerbare Energie nicht abgeriegelt werden, sondern wird sinnvoll genutzt.

Auch bei der Wasserstoffproduktion müssen wir im Land schauen, dass die Elektrolyseure nicht irgendwo stehen, sondern genau dort, wo wir die Prozesswärme, die bei der Elektrolyse von Wasserstoff anfällt, in einem Nah- oder Fernwärmenetz nutzen können.

Schwieriger wird es bei der Mobilität. Ein Rufbussystem auf allen Dörfern wird die Anbindung im Vergleich zu heute massiv verbessern und mit einem 365-Euro-Ticket für Seniorinnen und Senioren wird es auch für diese Gruppe bezahlbarer. Aber wir werden trotzdem auch in Zukunft in MV auf das Auto angewiesen sein. Wir sind am Ende des Tages schlicht das mit Abstand am dünnsten besiedelte Bundesland.

Der größte Brocken aus meiner Sicht ist aktuell der Netzausbau. Wir werden mehr Wind-, Solar- und Bioenergie produzieren müssen, und wir benötigen flexible und leistungsfähige Netze, die den so erzeugten Strom dann auch transportieren können. Der Netzausbau ist unsere Achillesferse in der Energiewende. Wenn wir den verhauen, bringen uns auch 10.000 zusätzliche Windräder nichts.

Darum brauchen wir für die Netzbetreiber ein flexibleres System, tatsächliche Kosten auch geltend machen zu können. Wenn zum Beispiel die IT-Sicherheit des Netzbetriebes aufgerüstet werden muss, dann kann das aus meiner Sicht nicht warten, bis nach fünf Jahren ein Netzbetreiber wieder seine Kostenstruktur bei der Regulierungskammer prüfen lassen kann.
Und wir brauchen meiner Ansicht nach eine deutschlandweite Umlage der Kosten, die durch die Anbindung von Erzeugungsanlagen erneuerbarer Energien entstehen. Denn warum soll ein Stromkunde in Berlin oder Bayern nur den halben Preis für seinen erneuerbaren Strom bezahlen? Das geht deutlich fairer und sorgt dann auch dafür, dass die Stromkunden in Mecklenburg-Vorpommern endlich wieder entlastet werden können.

Wir sind in Mecklenburg-Vorpommern gerade bei der Windkraft Vorreiter, wenn es um die Berücksichtigung der Interessen der Bürgerinnen und Bürger geht. Unser Bürger- und Gemeindebeteiligungsgesetz war das erste seiner Art in Deutschland. Und außer Brandenburg, die einen etwas anderen Weg gewählt haben, fehlt eine vergleichbare verpflichtende Vorgabe bundesweit immer noch. Dabei ist es ganz einfach der beste Weg, die Menschen, die im Umkreis einer Windkraftanlage leben, auch an den Gewinnen dieser Anlage zu beteiligen.

Wir waren auch das erste Bundesland, das die Grundlage dafür geschaffen hat, die Nachtbefeuerung von Windparks bedarfsgerecht umzubauen. Wenn kein Flugzeug flieg, dann muss auch kein rotes Licht blinken, dann darf der Horizont nachts, auch wenn ich das als Sozialdemokrat sonst nicht sage, ausnahmsweise auch einmal schwarz bleiben.“
  • Vorsitzender des Rechtsausschusses
  • Sprecher für Energiepolitik, Verbraucherschutzpolitik, Netzpolitik und Digitalisierung
  • Rechtsausschuss, Energieausschuss