Lantagsfraktion Mecklenburg Vorpommern
14. Januar 2021

Demokratie muss jeden Tag erkämpft werden – zu Stellings Zeiten und auch heute

Heute vor genau 100 Jahren wurde der Sozialdemokrat Johannes Stelling Ministerpräsident des Freistaates Mecklenburg-Schwerin. 1933 wurde er von den Nationalsozialisten in Berlin gefoltert und umgebracht. Er starb, weil er sich für die Demokratie in Deutschland eingesetzt hatte. Dazu erklären Thomas Krüger, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag, und Julian Barlen, Generalsekretär der SPD in Mecklenburg-Vorpommern: 
Thomas Krüger erinnert an den Sozialdemokraten: „Johannes Stelling hat sich für die Demokratie bei uns im Nordosten und in Deutschland eingesetzt und dafür sein Leben gelassen. Ich habe enormen Respekt vor seinem Mut, den er letztendlich mit dem Leben bezahlen musste. Was passiert, wenn die Demokratie nicht wehrhaft ist, musste Deutschland in der Zeit nach der Weimarer Republik erleben. Am Ende waren rund 80 Millionen Menschen tot. Immer beginnt es jedoch im Kleinen. Es ist ein länger währender Prozess im Verborgenen, der durch Lügen und noch mehr Lügen und von Hass und noch mehr Hetze betrieben wird. Zuerst unmerklich, wenn sich nur Einige unflätig auf Twitter über Corona-Einschnitte äußern, als lebten sie aller Grundrechte beraubt in einer Militärdiktatur. Auch unterstützt und gesteuert in Deutschland von Rechtspopulisten oder wie in den USA von allerhöchsten Stellen. So wird die Pöbelei plötzlich zum Sturm auf das Herz der Demokratie. Jetzt auf das Capitol in Washington, letztens auch der Versuch in Berlin, in das Reichstagsgebäude einzudringen bzw. Menschen in den Bundestag einzuschleusen, die unzulässigen Druck auf die freie Entscheidung von Politiker ausüben wollten. Spätestens jetzt muss uns endlich wieder bewusst werden: Demokratie selbst muss immer hart erkämpft werden. Sie ist absolut nichts Selbstverständliches. Heutzutage ist sie sogar wieder enorm gefährdet und verletzlich. Darum sollte jeder von uns jeden Tag mitmachen, um unsere Demokratie vor jeglichen Angriffen zu schützen.“

Auch SPD-Generalsekretär in MV Julian Barlen mahnt in Erinnerung an Johannes Stelling aufgrund der jüngsten Ereignisse: „Ich werde jene Bilder nie vergessen, als die Gegner unserer Demokratie die Stufen unseres Reichstags besetzt haben. Mich machen solche Bilder wie auch jetzt aus Washington traurig. Sie schocken mich, ob des unverfrorenen Frevels und der Kaltschnäuzigkeit dieser Menschen. Aber diese Bilder rütteln auch meine Gegenwehr wach. Denn nur wenn wir jetzt noch besser und enger zusammenstehen, wenn wir eben nicht eingeschüchtert und verdattert verstummen, werden wir die Feinde der Demokratie in ihre Schranken weisen. Wir sind mehr und wir müssen das jetzt auch wieder und lauter zeigen. Gegen all jene, die Hass und Hetze verbreiten. Gegen all jene, die unsere friedliche Ordnung stören mit ihren gefühlten Wahrheiten und bewussten Lügen. Gegen all jene, die Toleranz, Vielfalt und Offenheit mit Füßen treten und so unsere Freiheit und Demokratie gefährden. Genau das sind wir auch Sozialdemokraten und Menschen wie Johannes Stelling schuldig, die in viel unruhigeren Zeiten dafür sogar mit dem eigenen Leben eingetreten sind.“

Zur Person:
Johannes Stelling wurde Opfer der Köpenicker Blutwoche. Er wurde am 21.06.1933 aus seiner Wohnung verschleppt, geschlagen, gefoltert und am frühen Morgen des 22. Juni 1933 von Köpenicker SA-Leuten erschossen.

Als Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Schwerin ließ er in der Weimarer Zeit militärische, rechtsgerichtete Organisationen, wie unter anderem den Stahlhelm und Bund der Frontsoldaten verbieten. Er war über die Teilnahme von SA-Leuten beim Reichstagsbrand informiert und übermittelte diese Erkenntnisse illegal ins Exil. Für die SA wusste er zu viel und das war Anlass seiner Verhaftung. Er wurde im Keller des Amtsgerichtsgefängnisses in Berlin erschossen. Seine verstümmelte Leiche wurde am 1. Juli 1933 in einem Sack in der Dahme gefunden.

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