Lantagsfraktion Mecklenburg Vorpommern
07. Mai 2021

Gegen neue geistige Brandstifter helfen nur kein Vergessen und ein Lernen aus der Geschichte

Morgen jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 76. Mal. Am 8. Mai 1945 war die Terrorherrschaft des Naziregimes militärisch geschlagen, in Europa schwiegen die Waffen, in Asien einige Monate später. Dazu erklärt Thomas Krüger, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag Mecklenburg-Vorpommern: 

„Tag genau vor 76 Jahren endete ein von Deutschland verursachter Weltenbrand, der zweite Weltkrieg. Es wurde ein Krieg beendet, der von der Wehrmacht als brutaler Vernichtungskrieg gegen ganze Völker geführt wurde. Europa lag in Schutt und Asche. Bis zu 80 Millionen Menschen hatten ihr Leben durch Kriegsverbrechen und spätere Kriegsfolgen verloren. Willy Brandt und Richard von Weizsäcker hatten die Weitsicht, die Bedeutung des 8. Mai für Deutschland zu erkennen. Es war das Ende von zwölf Jahren Nazi-Terrorherrschaft und damit ein Tag der Befreiung weltweit, wie es von Weizsäcker formulierte. Der 8. Mai 1945 war aber ganz sicher keine ‚Stunde null‘. Jedoch an diesem Tag begann der Aufbau einer neuen politischen Ordnung. Wenngleich diese Deutschland und Europa weiterhin teilte und trennte.

In den vergangenen Jahren hat sich unsere Gesellschaft sehr verändert. Sie ist vielfältiger, multireligiöser, multiethnischer und toleranter geworden; früher trennende Grenzen sind eingerissen und Völker zusammengewachsen.

Wir in Mecklenburg-Vorpommern wissen, dass wir nicht unmittelbar verantwortlich sind für das Geschehene unter dem Nazi-Terrorregime. Und noch wichtiger: Viele von uns haben verstanden, dass wir aber alle zusammen die Verantwortung haben für das jetzt Geschehende, damit nie wieder so unsagbares Leid durch Hass und Vernichtung über Menschen anderer Kulturen und Religionen von Deutschland ausgeht.

Die große Lehre aus dem zweiten Weltkrieg ist, dass sich viele Völker Europas friedlich und vertrauensvoll zu einer partnerschaftlichen Gemeinschaft zusammengeschlossen haben. Jedoch ist Europa größer als die Europäische Union. Deshalb ist uns als SPD-Fraktion in Mecklenburg-Vorpommern insbesondere wichtig, dass wir bei allen Problemen mit Russland, den weiteren Umgang mit diesem Land stets mit einem kritischen, aber offenen Dialog pflegen. Deshalb ist es meiner Fraktion besonders wichtig, dass wir die bereits vereinbarte Partnerschaft mit dem Regionalparlament des Leningrader Gebietes jetzt auch mit Leben füllen. Außerdem wollen wir, dass die zwischenmenschlichen und persönlichen Kontakte – beispielsweise durch Begegnungen von Jugendlichen beider Länder – intensiviert werden. Denn Menschen, die sich kennen und schätzen, werden sich niemals bekriegen oder gar aufeinander schießen. Zu diesem Dialog mahnen uns auch heutzutage Willy Brandts Worte: ‚Niemand ist frei von der Geschichte, die er geerbt hat.‘

Und Brandts Worte mahnen uns, nie zu vergessen. Im Gegenteil, wir müssen alle zusammen immer wieder an die schrecklichen Verbrechen erinnern. Zugleich müssen wir alle zusammen die Verantwortung dafür tragen, dass so etwas niemals wieder geschieht. Umso entschiedener weisen wir jeden Versuch zurück, die Greul der Naziherrschaft auch nur im Mindesten relativieren zu wollen. Äußerungen insbesondere von der AfD, die Nazi-Herrschaft wäre nur ‚ein Fliegenschiss der Geschichte‘ gewesen oder ‚Wir sollten stolz sein auf die Leistungen der Soldaten in den beiden Weltkriegen‘, verdeutlichen, wie enorm wichtig es ist, dass wir alle gemeinsam nicht vergessen und gegen mit Haltung gegen die neuen geistigen Brandstifter aufstehen. Dafür brauchen wir ein breites Bündnis aller Demokrat*innen, um den alten und neuen Rechten mit Kraft und Mut die Stirn zu bieten. Dafür brauchen wir alle aufrechten Menschen in Mecklenburg-Vorpommern, egal ob ihre Großeltern und Eltern in Nürnberg, in Rostock, in Moskau oder in Zagreb geboren wurden. Wir alle zusammen sind Verteidiger unserer friedlichen Demokratie und humanistischen Werte.“
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